Service-Navigation

Suchfunktion

Blühmischungen


Blühmischungen sind Saatgutmischungen, die primär dafür konzipiert wurden, für Bestäuber, andere Insekten und teilweise auch andere Tierarten Lebensräume mit einem  attraktiven und möglichst vielfältigen Nahrungsangebot zu schaffen. Durch ihre Aussaat lassen sich Ackerschläge zu wertvollen Bunt- oder Blühbrachen für die wildlebende Flora und Fauna entwickeln.

Da das Angebot an geeigneten Trachtpflanzen ganz entscheidend für die Entwicklung von Bestäuber-Lebensgemeinschaften ist, muss gewährleistet sein, dass eine entsprechende Nahrungsgrundlage während der gesamten Vegetationsperiode kontinuierlich zur Verfügung steht. Dies gilt bezüglich Qualität und Menge ebenso wie für die räumliche Erreichbarkeit. Der Bienenweide-Katalog des Ministeriums für Landlichen Raum und Verbraucherschutz Baden-Württemberg gibt Tipps zu Blühmischungen und Steckbriefe mit Blühzeiträumen und Standortansprüchen für viele Trachtpflanzen.

Es gibt ein- über- und mehrjährige Blühmischungen. Einjährige Mischungen bieten vor allem häufigen Arten, wie den Honigbienen oder einigen Hummeln, für kurze Zeit Nahrung. Mehrjährige Blühflächen (sie verbleiben bis zu 5 Jahre an einem Standort) fördern durch den hohen Wildpflanzenanteil ab dem zweiten Standjahr viele verschiedene, auch seltene, Insektenarten. In den überwinternden Beständen können Feldvögel Samen, Niederwild Deckung und Insekten Überwinterungsmöglichkeiten finden (beispielsweise in hohlen Pflanzenstengeln und in der Streu). Nach Möglichkeit sollten Blühbrachen deshalb über den Winter stehengelassen, und nicht vorher gemulcht oder gemäht werden. Überjährige Mischungen, die schon im Spätsommer gesät werden, schützen im Winter den Boden vor Erosion und blühen schon ab April, was früh im Jahr aktiv werdenden Bestäuber zu Gute kommt. Außerdem wachsen sie in frühjahrs- und sommertrockenen Gebieten häufig besser an.

Autochthones, oder gebietseigenes Saatgut bezeichnet Saatgut, dessen Ausgangs- oder Spenderpopulationen aus dem Naturraum stammen, in dem es auch ausgebracht wird. Es hat den Vorteil, dass die enthaltenen Arten an die naturräumlichen Bedingungen des Standorts angepasst sind und nicht durch Auskreuzungen wilde Populationen genetisch verändern können. Gebietseigenes Saatgut ist derzeit entweder mit dem RegioZert® des Bundesverbandes Deutscher Pflanzenzüchter e. V. zertifiziert, oder mit dem Siegel VWW-Regiosaaten® des Verbands deutscher Wildsamen und Wildpflanzenproduzenten e. V.

Zum Schutz von Feldvögeln vor Räubern sollten Blühbrachen mindestens 10 m breit sein. Je reicher an verschiedenen Pflanzenarten, desto mehr Tierarten werden auch gefördert, da z.B. viele Wildbienenarten Spezialisten sind. Die Nähe zu Nisthabitaten (Hecken, offene Bodenstellen, Böschungen, Totholz, Steinhaufen, Waldränder) ermöglicht auch kleineren Insekten, die Nahrungsflächen zu erreichen.

Da auf den Blühbrachen zu einem späteren Zeitpunkt wieder Ackerbaukulturen angebaut werden sollen, sind neben tier- und pflanzenökologischen Gesichtspunkten auch produktionstechnische Vorgaben bei der Zusammenstellung der Mischungen zu beachten, d.h. es sind Blühmischungen einzusetzen, die nach Möglichkeit keine Probleme für die Folgenutzung mit sich bringen (z.B. keine Kreuzblütler in Rapsfruchtfolgen, kein Buchweizen vor Zuckerrüben/ Soja).

Blühmischungen können in der Biogasproduktion verwendet werden. Hierfür sind im Fachhandel spezielle, mehrjährige Biogasmischungen verfügbar. Die Biomasseerträge können hierbei stark variieren - zwischen 5 und 20 t TM/ha, je nach Standort, Standjahr und Mischung.

Die Aussaat von Blühmischungen kann unter Beachtung der jeweiligen Vorgaben über das FAKT-Programm gefördert, oder als ÖVF mit dem Faktor 1.5 angerechnet werden.

Tipps zur Anlage und Pflege:

  • Besonders biodiversitätsfreundlich sind artenreiche, mehrjährige Mischungen mit vielen Wildpflanzenarten
  • Aussaat bevorzugt im Spätsommer oder auch im Frühjahr in ein unkrautfreies, feinkrümeliges Saatbett (mehrmals vorbereitet - sog. falsches Saatbett). Vor allem bei einem hohen Unkrautdruck durch früh keimende Samenunkräuter im Spätsommer aussäen
  • Aussaat am besten mit Sämaschine mit hochgestellten Säscharen
  • Ggf. Strecken des Saatguts auf bis zu 100 kg/ ha mit Füllstoffen (Sojaschrot, Sand) zur gleichmäßigeren Verteilung
  • Saatgut nur oberflächlich ablegen und rückverfestigen/ anwalzen (Lichtkeimer)
  • Bei starker Vergrasung/ Verunkrautung: Schröpfschnitt/ Mulchen 4-6 Wochen nach Auflaufen
  • Falls Pflege nötig und erlaubt ist, immer mindestens einen Teil des Bestandes überwintern lassen und erst ab März pflegen. Mähen mit Abräumen ist für einen blütenreichen Bestand zu bevorzugen, mulchen fördert Gräser. Möglichst tierschonende Methoden (Balkenmäher, Hochschnitt> 10 cm) anwenden.
Bezeichnung Typ
Info zur Brachebegrünung mit Blühmischungen (2017)pdf
Kurzinfo Bestandesdichteversuch Topinambur 2015 (NWR 14-01)pdf
Kurzinfo - Dauerkulturen zur Biogasnutzung 2014 (V11-06)pdf
Energiepflanzen für Biogasanlagen (FNR-Broschüre, 2013)pdf

Fußleiste